OneDrive for Business als "Self-hosted-Cloud" mit Microsoft Sharepoint

  • Guten Morgen zusammen,


    ich bin schon sehr lange auf der Suche nach einer professionellen Lösung, meine Dateien überall griffbereit zu haben. Damit meine ich sowohl am PC (Windows), am Handy (iPhone) sowie auf fremden Computern (Web). Wichtig zu erwähnen ist ebenfalls, dass das Ganze selber gehostet werden soll. Dazu steht ein Windows Server 2016 Essentials zur Verfügung, welcher mehrere Debian-Instanzen per HyperV verwaltet.


    Bisher konnte mich keine Lösung, nach mehrwöchiger Testphase, wirklich überzeugen. Darunter befinden sich Netxcloud sowie Pydio.

    Nun möchte ich eine andere Richtung einschlagen, etwas Geld investieren und auf die Software von Microsoft setzen.


    Was ich mir davon erhoffe? Einmalige Kosten für die Software (Microsoft SharePoint-Server, Microsoft SQL-Server) und stabile und zuverlässige Dienste.

    Ich setzte bewusste auf die Bereitstellung eines eigenen Servers, da ich wissen möchte, wo meine Daten liegen und laufende Kosten vermeiden möchte.


    Nun suche ich jemanden, der mit einer solchen Konstellation bereits Erfahrung gesammelt und gegebenenfalls Ahnung zwecks der Funktionalität (kann das wirklich mit diesen Software-Bausteinen funktionieren?) hat.


    Über mögliche Irrtümer lasse ich mich gerne aufklären.


    Vielen Dank schon Mal im Voraus!

    Mit freundlichen Grüßen


    LaSame


    #Jetbrains [ PhpStorm | IntelliJ ]
    "Programmiere immer so, als wäre der Typ, der den Code pflegen muss, ein gewaltbereiter Psychopath, der weiß, wo du wohnst."

  • Ich sehe in deiner Konfiguration und deinen Wünschen jetzt schon Grundlegende Probleme.


    Du betriebst einen HyperV auf einem Windows Server Essentials?

    Eine Essentials Variante muss zwingend als Domänencontroller eingesetzt werden und ist eigentlich nicht dafür gedacht als Virtualisierungshost zu dienen.

    Normalerweise sollte auf einem Virtualisierungshost so wenig Software wie möglich installiert sein, da er so gut wie es geht abgesichert sein sollte.

    Legal ist es soweit ich weiß auch nicht. HyperV ist in der Essentials Variante nicht inkludiert.


    Bist du dir bewusst, welche Kosten der Sharepoint nach sich ziehen wird?

    Ich gehe von folgenden Szenarien aus:

    * Du willst den Sharepoint und SQL Server sicherlich in einer eigenen VM betreiben und nicht auf dem Hostsystem (Das wäre eine Katastrophe)

    * Sharepoint und SQL Server liegen auf der gleichen Windows Server VM


    Du kannst mit folgenden Kosten rechnen:

    * Windows Server Standard, 16 Kerne (du musst mindestens 16 Kerne kaufen) -- 1.160€

    * Sharepoint Server 2019 -- ca. 9.000€

    * Sharepoint Benutzerlizenz (Musst du für jeden Benutzer kaufen) -- 230€


    Davon kann man sich auch ein schönes Auto kaufen. Auch wenn du die Lizenzen bei günstigen Anbietern einkaufst, bist du bei mindestens 5.000€ (Die 5€ Ebay Lizenzen zähle ich hier mal nicht mit ...)

    Ebenso bist du mit der kostenlosen SQL Server Variante auf 10 GB Speicherplatz pro Datenbank begrenzt. Sobald die Datenbank größer als 10 GB ist, verweigert der SQL Server seinen Dienst und du musst eine Lizenz kaufen (auch ca. 2.000€)


    Wir hatten Sharepoint bei uns in der Arbeit im Einsatz. Es ist eine extrem mächtige Software, was sie aber auch sehr komplex macht.

    Sharepoint ist viel zu Stark auf Business ausgelegt und kann viel zu viel. Es ist nicht das richtige Produkt für deinen Einsatzzweck.


    Kauf dir doch einfach eine Qnap oder Synology NAS und stell sie bei die daheim auf. Das Webinterface machst du im Internet erreichbar, auf deinem PC kannst du die NAS direkt über ein Netzlaufwerk einbinden und auf deinem Handy benutzt du die jeweilige App. Damit habe ich über meinen Rechner, Laptop, Handy und auch von unterwegs über Webbrowser Zugriff auf meine Daten.


    Ebenfalls empfehle ich dir, auf deinem dedizierten Server Proxmox zu installieren und dein Windows Server Essentials in einer VM zu installieren.

  • Guten Mittag Howaner,


    vielen Dank für deine ausführliche und aufklärende Antwort.


    Das ich für dieses Vorhaben einiges an Geld in die Hand nehmen müsste, ist mir bewusst. Dies soll in erster Linie aber keine Rolle spielen, da ich das Ganze vorerst einfach Mal zum testen mit den von Microsoft gestellten Testlizenzen betreiben würde. Grundsätzlich geht es mir hier auch um den Lerneffekt, eine Umgebung wie diese zu konfigurieren.


    Auf eine fertige NAS-Lösung würde ich ungerne setzen, da es keine Herausforderung ist, eine solche Instanz einzurichten.


    Der Umstieg von Essentials auf Standard (ggf. Datacenter) steht bereits vor der Tür. Wenn ich mich richtig erinnere, dann darf ich mit dieser Lizenz zwei VM-Container (bzw. mit Datacenter unbegrenzte Instanzen) mit Windows Server betrieben.


    Das Ganze würde dann etwa so aussehen:

    • Dedicated Server (Intel Xeon E3-1225 V2 3,2 GHz, 16 GB DDR3 ECC UDIMM, 128GB SSD, 2x 2TB WD Red)
      • Host-System: Windows Server 2019 Datacenter
        • über HyperV: Windows Server 2019 - DC (1 GB RAM, 2 vCore)
        • über HyperV: Windows Server 2019 - AD (1 GB RAM, 2 vCore)
        • über HyperV: Windows Server 2019 - Sharepoint und SQL (8 GB RAM, 4 vCores)
        • über HyperV: Windows Server 2019 - Druckserver (1 GB RAM, 2 vCore)
        • über HyperV: Debian 10 - Nginx Reverse Proxy (512 MB RAM, 1 vCore)


    - Würdest du raten, die Finger komplett von HyperV zu lassen und alles über Proxmox zu konfigurieren?

    - Die Hardware sollte diese Konfiguration gut meistern.

    - Das Thema Kosten würde ich für diesen Thread gerne außen vor lassen.


    Ich bedanke mich schon einmal für die Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen


    LaSame


    #Jetbrains [ PhpStorm | IntelliJ ]
    "Programmiere immer so, als wäre der Typ, der den Code pflegen muss, ein gewaltbereiter Psychopath, der weiß, wo du wohnst."

  • Hallo,

    ich möchte noch mal auf Nextcloud zurückkommen mich würde es interessieren, warum du mit Nextcloud nicht zufrieden bist ?

    Ich verwende Nextcloud nicht nur Privat sondern auch Beruflich seit Jahren und ich kann mir keine bessere Lösung vorstellen.


    Mit Nextcloud hast du eine deutlich performante und zu dem auch sehr sicherere Lösung im vergleich zu deinem SharePoint Setup.


    Da du das ganze ja selber Hosten willst, gehe ich davon aus das Datenschutz dir zumindest nicht komplett egal ist.

    Grüße,

    Kevin
    Mail: kevin@ks98.de


    Was hat Windows mit U-Booten gemeinsam?
    Kaum macht man ein Fenster auf, fangen die Probleme an.

  • Die Hardware ist sehr knapp bemessen für Windows Server.

    Du gibst den Windows Server VM's eigentlich auch zu wenig Leistung.


    Das sollte schon die Mindestanforderung sein:

    • 2 GB Arbeitsspeicher
    • 30GB Festplattenspeicherplatz (unter 30GB lässt sich Windows Server glaube ich garnicht erst installieren)
    • 2 vCores


    Du würdest folgendes brauchen:

    • Windows Server mit Domänencontroller (2GB Ram, 30GB Festplatte)
    • Windows Server mit Sharepoint und SQL (8GB Ram, 30GB C: Festplatte (Daten auf eine seperate Festplatte/HDD auslagern))
    • Windows Server mit Druckserver (2GB Ram, 30GB Festplatte)
    • Debian Reverse Proxy (1GB Ram, 5GB Festplatte, endlich was mit Linux :D)
    • Den AD Server lass ich mal weg, weil AD (Active Directory) doch dein DC (Domänencontroller) ist. Welchen Domänencontroller soll man sonst unter Windows aufsetzen, wenn nicht AD?


    Damit bist du bei 13 GB Ram-Verwendung und 95 GB Speicherplatz-Verwendung.

    Proxmox kommt mit 2GB Ram aus.


    Die Hostmaschine solltest du auf Basis von Proxmox mit LVM-Thin / Ext4 Dateisystem installieren. Hier kannst du auch gleich viel mehr lernen.

    Es werden wohl nicht alle VM's auf der SSD Platz haben, deswegen musst du einige auf deine HDD auslagern. Das macht die Windows Server aber um einiges langsamer.

    Die zwei HDD's würde ich in ein Software Raid 1 packen.


    Es ist vielleicht nicht so schlau, auf ewig Maschinen mit einer Testlizenz laufen zu lassen (vor allem keine Monster-Preis-Lizenzen wie Sharepoint).

    Wenn die Polizei bei dir mal eine Hausdurchsuchung macht (Ist mittlerweile leider schon als bloser Zeuge möglich ..), machen sie einen Zufallsfund und du wirst zum Nachkauf einer Lizenz gezwungen.

    Deswegen rate ich dir davon ab, eine so teuere Software überhaupt als Alternative anzusehen. Kaufen wirst du sie wohl kaum ..

  • Guten Morgen, vielen Dank für eure Antworten.

    Ich habe mir über das Wochenende ein paar Gedanken gemacht.


    ks98

    Ich kann keine große Kritik an Nextcloud äußern. Es sind eher die kleinen Dinge, die mich von dieser Software zu Pydio bzw. zu der Sharepoint-Lösung gebracht haben. Im Großen und Ganzen hast du recht, Nextcloud ist sehr sicher (natürlich konfigurationsabhängig) und performant. Ebenfalls finde ich die Anpassungs- sowie Integrationsmöglichkeiten sehr gut. Ich vermisse jedoch einen guten Editor (für zum Bsp. HTML Dateien - falls du einen kennst, darf du mir diesen gerne empfehlen :) ).


    Howaner

    "Deswegen rate ich dir davon ab, eine so teuere Software überhaupt als Alternative anzusehen. Kaufen wirst du sie wohl kaum .." - Da hast du wohl leider recht. Angesichts dieser und der Tatsache, dass meine Hardware knapp bemessen ist, werde ich wohl weiterhin Nextcloud nutzen.


    Dadurch ergibt sich folgende Struktur:

    • Dedicated Server (Intel Xeon E3-1225 V2 3,2 GHz, 16 GB DDR3 ECC UDIMM, 128GB SSD, 2x 2TB WD Red)
      • Proxmox VE (als Basis auf die SSD)
        • Windows Server Essentials (4 GB RAM, 4 vCores, für AD DC, auf die SSD)
        • Debian 10 - Nginx Reverse Proxy (1 GB RAM, 1 vCore, auf die HDD's mit Software Raid 1)
        • Debian 10 - SQL (bzw. MariaDB) (2 GB RAM, 2 vCores, auf die HDD's mit Software Raid 1)
        • Debian 10 - Cloud (Nextcloud mit Nginx) (2 GB RAM, 2 vCores, auf die HDD's mit Software Raid 1)
        • Debian 10 - Web (PhpMyAdmin, ... mit Nginx) (1 GB RAM, 1 vCore, auf die HDD's mit Software Raid 1)


    Würde dies aus deiner Sicht eine gute Konfiguration sein? Falls nein, was sollte ich verbessern?


    Vielen Dank!

    Mit freundlichen Grüßen


    LaSame


    #Jetbrains [ PhpStorm | IntelliJ ]
    "Programmiere immer so, als wäre der Typ, der den Code pflegen muss, ein gewaltbereiter Psychopath, der weiß, wo du wohnst."

  • Das sieht doch gut aus.


    Ich würde nur noch folgende Anpassungen empfehlen.

    * Debian 10 - Nginx Reverse Proxy (2 vCores)

    * Debian 10 - Cloud (4 vCores)

    * Debian 10 - Web (2 vCores)


    Ebenfalls bei jeder VM Ballooning deaktivieren. (Kann man bei der VM Erstellung angeben, wenn "Advanced" aktiviert ist)

  • Vielen Dank für die Ratschläge - werde das nun so umsetzen.

    Wieder etwas neues gelernt.


    :closed

    Mit freundlichen Grüßen


    LaSame


    #Jetbrains [ PhpStorm | IntelliJ ]
    "Programmiere immer so, als wäre der Typ, der den Code pflegen muss, ein gewaltbereiter Psychopath, der weiß, wo du wohnst."

  • LaSame

    Hat das Label von Ungelöst auf Gelöst geändert